Fessenheim-OUI – aber wie?

Nach dem three-eleven des Jahres 2011, also nach Fukushima, schlug ich im Blog der Badischen Zeitung unseren französischen Nachbarn vor, dem Druck der Fessenheim-Gegner nachzugeben und im Gegenzug einen Bailout in Sachen Reaktor-Upgrade zu verlangen. Aus der Oberrheinischen Umwelt-Initiative OUI wurde jedoch bekanntlich nichts… Schade 😳

Der heutige Tag ist fĂŒr jeden waschechten UmweltschĂŒtzer – und erst recht fĂŒr einen Ökomodernisten, der ich nun einmal bin – zweifelsohne ein rabenschwarzer Tag. Denn nach etwas mehr als 42 Jahren Betriebszeit wird heute der erste der beiden M310-Reaktorblöcke des französischen Kernkraftwerkes Fessenheim, mit dem bis dato innewohnenden legendĂ€ren Druckwasserreaktor CP0, wohl fĂŒr immer heruntergefahren. Im Sommer geht dann auch der 2. Reaktorblock in den vorzeitigen Ruhestand und das dĂŒrfte es dann gewesen sein mit dem sauberen Strom und freiem Horizont in meiner MarkgrĂ€fler Wahlheimat, zu der diese „Nuckibude“ irgendwie stets dazugehört hatte...😳

Auch wenn ich diesen zweifelhaften „Erfolg“ dem hiesigen „Trinationalen Atomschutzverband“ ➡ nur ungern gönne, so ist zunĂ€chst die Entscheidung der Betreiber sowie der französischen Regierung als die eines souverĂ€nen Staates selbstverstĂ€ndlich zu respektieren. Es ist freilich etwas anderes sich die Frage zu stellen, wie es dazu kommen konnte und vor allem, wie es denn weitergehen soll. Denn die Argumente, die gegen die Schließung von dem Meiler sprachen, wurden in den letzten Jahren immer mehr. Da waren die ĂŒberaus ernĂŒchternden Erfahrungen mit der deutschen „Energiewende“ auf der einen sowie der zunehmende Konsensus in Sachen CO2-Reduktion (weswegen auch immer) auf der anderen Seite. Und dann soll ausgerechnet nucleaire de Fessenheim, das eine einzigartige Symbiose mit dem benachbarten Wasserkraftwerk einging, vom Netz gehen?? Das verstehe wer will.

Anyway. Was uns jetzt ĂŒbrig bleibt ist – was denn sonst – der Blick nach vorne. Seit anno 2011, dem Fukushima-Jahr, stelle ich mir unentwegt die Frage, wie wir nach einer Abschaltung des Meilers den dann entstandenen Umweltschaden – aber auch den Schaden in den Nachbarschaftlichen Beziehungen zu unseren französischen Freunden – möglichst abwenden oder zumindest begrenzen können. Denn sicherlich sind wir gut beraten, unsere Nachbarn mit deren existentiellen Nöten entsprechend ernst zu nehmen. Viele von denen sind ins Elsass gezogen und haben sich Existenzen rund um den Meiler aufgebaut, insofern ist es verstĂ€ndlich, dass sie von „le fermeture de Fessenheim“ nichts halten.

➡ es handelt sich um einen Zusammenschluss von Atomkraftgegnern, insb. Fessenheim-Gegnern, vorwiegend aus Deutschland, aber auch aus Frankreich und der Schweiz. Das Spektrum ist dort recht breit und reicht von fehlgeleiteten UmweltschĂŒtzern bis hin zu radikalen – zumeist linksradikalen 👿 – Systemkritikern.
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Zu den am hĂ€ufigsten geĂ€ußerten VorschlĂ€gen, die mich seit dem Bailout-Vorschlag im Blog der Badischen Zeitung (s. obige Bildunterschrift) erreicht haben, zĂ€hlt wohl „Fessenheim-3“, am besten mit ’nem EPR o.Ă€. Schön und gut, sage ich dazu, aber Fessenheim ist und bleibt ein suboptimaler Standort fĂŒr so einen Meiler. FĂŒr wesentlich sinnvoller hielte ich da ein Forschungszentrum, das einerseits den RĂŒckbau des alten Meilers betreibt und darin Erkenntnisse gewinnt, anderseits aber einen ersten Dual-Fluid-Reaktor als Prototyp betreibt und auch dort die fĂŒr die Zukunft unerlĂ€sslichen Erfahrungen sammelt. Mehr noch: der Dual-Fluid-Reaktor könnte im Rahmen des zu erarbeitenden RĂŒckbaukonzeptes die alten Brennelemente gleich entsorgen und das sogar energiebringend!

Damit könnte sich die Geschichte, auf die ich am heutigen Tage mit ein wenig Wehmut zurĂŒckblicke, im guten Sinne wiederholen. Denn Central nuclĂ©aire de Fessenheim gehörte seinerzeit zu den weltweit ersten kommerziellen Meilern mit Druckwasserreaktoren der Generation 2. Warum sollte es nicht der erste Standort eines Gen.4-Reaktors werden?