„Über Petri-Netze mit inhibitor-Kanten…“ Anhang B (OCR)

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Anhang B. LITERATURVERZEICHNIS

[1] T. Araki, T. Kasami, Decidable Problems on the Strong Connectivity of Petri Net Reachability Sets, Theoret. Comp. Sci. 4 (1977) 99-119.

[2] H.G. Baker, Rabin’s Proof of the Undecidability of the Reachability Set Inclusion Problem of Vector Addition Systems, MIT Project MAC, CSGM 79, Cambridge, Mass. (1973).

[3] H. Kleine-BĂŒning, T. Lettmann, E.W. Mayr, Projections of Vector Addition System Reachability Sets Are Semilinear, Theoret. Comp. Sci. 64 (1989) 343-350.

[4] E.W. Cardoza, Computational Complexity of the Word Problem for Commutative Semigroups, MAC Technical Memorandum 67, M.I.T. (1975).

[5] F. Commoner, Deadlocks in Petri Nets, Applied Data Research, Wakefield MA, CA 7206-3211 (1972), Applied Data Research Inc.

[6] J. Grabowski, The Decidability of Persistence for Vector Addition Systems, IPL, 11 (1980) 20-23.

[7] M. Hack, Decidability Questions for Petri Nets, MIT, LCS, TR 161, Cambridge, Mass. (1976).

[8] M. Hack, Petri Nets and Commutative Semigroups, MIT Project MAC, CSGN 18, Cambridge, Mass. (1974).

[9] M. Hack, The Equality Problem for Vector Addition Systems is Undecidable, C.S.G. Memo 121, Project MAC, M.I.T. (1975).

[10] J. Hopcroft, J.J. Pansiot, On the Reachability Problem for 5-Dimensional Vector Addition Systems, Theoret. Comp. Sci. 8 (1979) 135-159.

[11] R. Karp, R. Miller, Parallel Program Schemata, J. Comp. Syst. Sci. 3 (1969) 147-195.

[12] R.M. Keller, Vector Replacement Systems: a Formalism for Modelling Asynchronous Systems, Princeton Univ., Princeton, NJ, CSL, TR 117 (1972).

[13] S.R. Kosaraju, Decidability of Reachability in Vector Addition Systems, Proc. 14th Ann. ACM STOC (1982) 267-281.

[14] K. Lautenbach, Exakte Bedingungen der Lebendigkeit fĂŒr eine Klasse von Petri-Netzen, GMD Bonn (St. Augustin), Bericht Nr. 82 (1973).

[15] R. Lipton, The Reachability Problem is Exponential-Space Hard, Dept. Computer Science Rep. 62, Yale Univ., New Haven, CT (1976).

[16] E.W. Mayr, An Algorithm for the General Petri Net Reachability Problem, SIAM J. Comput. 13,3 (1984) 441-460.

[17] E.W. Mayr, Persistence of Vector Replacement Systems is Decidable, Acta Informatica 15 (1981) 309-318.

[18] E.W. Mayr, A.R. Meyer, The Complexity of the Finite Containment Problem for Petri Nets, Journal of the Association for Computing Machinery, Vol 28, No. 1 (1981) 561-576.

[19] E.W. Mayr, A.R. Meyer, The Complexity of the Word Problems for Commutative Semigroups and Polynomial Ideals, Advances in Mathematics 46,3 (1982) 305-329.

[20] H. MĂŒller, Decidability of Reachability in Persistent Vector Replacement Systems, Proc. 9th Symposium on MFCS (1980), LNCS 88, Springer, New York, 426-438.

[21] C.A. Petri, Kommunikation mit Automaten, Institut fĂŒr Instrumentelle Mathematik, Bonn, Schriften des IMM Nr. 2 (1962).

[22] M. Presburger, Über die VollstĂ€ndigkeit eines gewissen Systems der Arithmetik ganzer Zahlen, in welchem die Addition als einzige Operation hervortritt, Comptes-Rendus du I. CongrĂšs des MathĂ©maticiens des pays, Warsaw (1930) 92-101.

[23] G. Sacerdote, L. Tenney, The Decidability of the Reachability Problem for Vector Addition Systems, Proc. 9th Ann. ACM STOC (1977) 61-76.

[24] D.C. Oppen, A 222n Upper Bound on the Complexity of Presburger Arithmetic, J. Comput. Systems Sci. 16 (1978) 323-332.

[25] J. Van Leeuwen, A Partial Solution to the Reachability Problem for Vector Addition Systems, Sixth Ann. ACM Symp. on the Theory of Computing (1974) 303-309.

„Über Petri-Netze mit inhibitor-Kanten, deren LeistungsfĂ€higkeit und Erreichbarkeitsmengen“, Rainer A. Stawarz @ J.W. Goethe-UniversitĂ€t Frankfurt/M, Diplomarbeit (1991)

„Über Petri-Netze mit inhibitor-Kanten, deren LeistungsfĂ€higkeit und Erreichbarkeitsmengen“

Rainer A. Stawarz @ J.W. Goethe UniversitÀt Frankfurt/M
Diplomarbeit (1991) ⇒ Original

INHALTSVERZEICHNIS

§1. HISTORISCHES, MOTIVATION (5-8)

Petri-Netze und deren Bedeutung in der Systemanalyse, systemanalytische Entsprechung des Erreichbarkeitsproblems, Bekanntes hinsichtlich des Gleichheits- und Inklusionsproblems, Beschreibungsproblem der Erreichbarkeitsmengen, Grenzen der Anwendbarkeit der gewöhnlichen Petri-Netze, WPNC-Berechenbarkeit, inhibitor-Kanten und deren Auswirkung auf die Entscheidbarkeit der SchlĂŒsselprobleme, einfache (semilineare) Erreichbarkeitsmengen, bekannte Grenzen der SemilinearitĂ€t, Motivation und InhaltsĂŒberblick.

§2. GRUNDLEGENDE KONZEPTE (9–22)

Gewöhnliche Petri-Netze, Transitionsfolgen, Schaltfolgen, Schaltpfade, kontrollierende Stellen, Erreichbarkeitsmengen und deren SchlĂŒsselprobleme, Vektor-Ersetzungssysteme, Test- und Ersetzungsvektoren, Vektor-Additionssysteme, Translationsvektoren, Petri-Netze mit inhibitor-Kanten, Vektor-Additions- und Ersetzungssysteme mit inhibitor-Vektoren, Beispiele.

§3. SIMULATION VON VARIANTEN DES GRUNDMODELLS (23–34)

Petri-Netze mit kontrollierenden ZustÀnden, Projektionen der Erreichbarkeitsmengen, Simulation der kontrollierenden Stellen und ZustÀnde in Vektor-Additionssystemen und Vektor-Ersetzungssystemen, begrenzte Simulierbarkeit von inhibitor-Kanten, Aufwand der Simulation, Beispiele.

§4. SEMILINEARE ERREICHBARKEITSMENGEN (35–42)

Petri-Netze mit kontrollierenden ZustÀnden, Projektionen der Erreichbarkeitsmengen, Simulation der kontrollierenden Stellen und ZustÀnde in Vektor-Additionssystemen und Vektor-Ersetzungssystemen, begrenzte Simulierbarkeit von inhibitor-Kanten, Aufwand der Simulation, Beispiele.

§5. DIMENSIONSBEZOGENE SEMILINEARITÄTSGRENZEN (43–72)

Auswirkungen der kontrollierenden Stellen und ZustĂ€nde sowie inhibitor-Kanten auf dimensionsbezogene SemilinearitĂ€tsgrenzen, dimensionsbezogene SemilinearitĂ€tsgrenzen und Algorithmen zur Berechnung von Erreichbarkeitsmengen fĂŒr zweidimensionale Vektor-Additionssysteme und Vektor-Ersetzungssysteme mit kontrollierenden ZustĂ€nden und verschiedener Anzahl von inhibitor-Kanten, sowie fĂŒr vierdimensionale und gewöhnliche Vektor-Ersetzungssysteme, Bedeutung von inhibitor-Stellen, weitere SemilinearitĂ€tsgrenzen.

§6. WPNC-BERECHENBARKEIT, ZÄHLERAUTOMATEN (73–82)

Schwache Petri-Netz Computer, WPNC-Berechenbarkeit der Addition, Multiplikation, Exponentialfunktion u. a., Subtraktion, Modulo-Division und die Notwendigkeit von inhibitor-Kanten fĂŒr deren WPNC-Berechenbarkeit, ZĂ€hlerautomaten, Minsky-Barsdin-Theoreme, Konsequenzen.

§7. OFFENE FRAGEN, DISKUSSION (83–88)

WPNC-Klassen, These ĂŒber einfachste Petri-Netze mit nicht-semilinearen Erreichbarkeitsmengen und daraus resultierende dimensionsbezogene SemilinearitĂ€tsgrenzen, Satz ĂŒber schwach-monotone inhibitor-Transitionen, Invarianz der SemilinearitĂ€t unter schwach-monotonen inhibitor-Transitionen.

Anhang A – SIMULATION DER KONTROLLIERENDEN ZUSTÄNDE IN GEWÖHNLICHEN VEKTOR-ADDITIONSSYSTEMEN (89–94)

Anhang B – LITERATURVERZEICHNIS (95–98)

„Über Petri-Netze mit inhibitor-Kanten…“ §1 (OCR)

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§1. HISTORISCHES, MOTIVATION

Petri-Netze (konzipiert 1962 durch C. A. Petri [21]) liefern ein sehr komfortables und mittlerweile kaum wegzudenkendes Hilfsmittel bei der Darstellung und Analyse verschiedenartiger VorgĂ€nge. Insbesondere die systemanalytischen Aspekte im Zusammenhang mit interaktiv ablaufenden Prozessen, wie z. B. Synchronisation (locking), Systemstillstand (deadlock), ObjektverfĂŒgbarkeit (scheduling) können in einer sehr anschaulichen Form angegangen werden [5], [12]. Die zu den Petri-Netzen Ă€quivalenten algebraischen Aggregate, wie Vektor-Additions- bzw. ErsetzungssystemeÂč erleichtern zudem die rechnergestĂŒtzte Simulation von derartigen Interaktionen.

Die naturgemĂ€ĂŸ schwierigen systemanalytischen Probleme, wie z. B. Aspekte der Lebendigkeit eines vorliegenden Systems [7], [14], werden in Anlehnung an das Petri-Netz-Modell zwar anschaulicher, aber selbstverstĂ€ndlich nicht leichter. So sind beispielsweise Fragen im Zusammenhang mit den ErreichbarkeitsmengenÂČ von Petri-Netzen hĂ€ufig gar nicht algorithmisch entscheidbar – und wenn, dann meistens extrem komplex. Andere wiederum konnten bislang weder als entscheidbar noch als unentscheidbar ausgewiesen werden.

Andererseits sollte nicht ĂŒbersehen werden, dass die in [21] vorgestellten Gebilde, die wir im weiteren als „gewöhnliche Petri-Netze“ bezeichnen wollen, nicht uneingeschrĂ€nkt universell sind. An die Grenzen deren Anwendbarkeit stĂ¶ĂŸt man z. B. beim Simulieren von BerechnungsvorgĂ€ngen. Die durch Rabin konzipierte schwache Berechenbarkeit durch ein (gewöhnliches) Petri-Netz (angelehnt an das WPNC-ModellÂł), gilt nur fĂŒr eine bestimmte Klasse von Funktionen. Zwar sind sogar einige stark wachsende Funktionen in diesem Sinne berechenbar (z. B. die Ackermann-Funktion – [18]), aber bereits bei relativ simplen, nicht monoton wachsenden Funktionen entsteht die Notwendigkeit, das Feuern von Transitionen an das Leersein von bestimmten Stellen zu knĂŒpfen. Das so modifizierte Petri-Netz enthĂ€lt sog. inhibitor-Kanten und ist nur eine der inzwischen zahlreichen Varianten des Grundmodells. Andere enthalten z. B. Stellen mit eingeschrĂ€nkten AufnahmekapazitĂ€ten oder verzweigte Kanten – um nur einige zu nennen [27]. Diese Modifikationen machen aber die o. e. Probleme, z. B. das Erreichbarkeitsproblem, offensichtlich nicht leichter, denn die WPNC-Berechenbarkeit von hinreichend komplizierten Funktionen (z. B. notwendigerweise auf der Basis von Petri-Netzen mit inhibitor-Kanten) ist gleichbedeutend mit entsprechend diffizilen Erreichbarkeitsmengen, mit allen Konsequenzen fĂŒr die damit zusammenhĂ€ngenden Probleme. So modifizierte Petri-Netze sind demnach zwar leistungsfĂ€higer, können aber die an sie angelehnte Systemanalyse erheblich erschweren oder gar unmöglich machen.

Diesen Sachverhalt beobachten wir anhand des sog. allgemeinen Erreichbarkeitsproblems⁎. Die Frage, ob ein gewisser Zustand von einem fixierten Anfangszustand aus erreicht werden kann, ist von essentieller Bedeutung fĂŒr viele systemanalytische Aspekte (z. B. Erreichbarkeit eines Zustandes, der dem Systemstillstand entspricht [5] oder Systemlebendigkeit⁔ [14], [29]), sowie fĂŒr viele Probleme aus dem Bereich der Algebra und Numerik. Dieses Problem ist entscheidbar, bezogen auf die gewöhnlichen Petri-Netze – unentscheidbar hingegen fĂŒr Petri-Netze mit inhibitor-Kanten⁶ [7].

Interessant ist aber auch die Frage, wie schwer das Erreichbarkeitsproblem ist und wie es praktisch gelöst werden kann (hier denken wir stets an gewöhnliche Petri-Netze). Die naheliegende Vorgehensweise, dieses Problem durch Bestimmung der Erreichbarkeitsmenge zu lösen, ist ĂŒberraschenderweise algorithmisch nicht realisierbar. Unentscheidbar ist auch die Frage der mengentheoretischen Inklusion bzw. Gleichheit von Erreichbarkeitsmengen zweier Petri-Netze (sog. Inklusions- bzw. Gleichheitsproblem⁷ [2], [9], [28]). So verwundert es nicht, dass die in [16], [26] vorgestellten Algorithmen keinerlei Aspekte der Erreichbarkeitsmengenbeschreibung angehen. Eine brauchbare Beschreibung der Erreichbarkeitsmengen ist nur bei den gegenĂŒber dem Grundmodell etwas vereinfachten Petri-Netzen möglich [1], [6], [17], [20]. All das zeugt von ziemlicher NĂ€he zur Grenze des algorithmisch Machbaren, und es kann folglich davon ausgegangen werden, dass das Erreichbarkeitsproblem sehr komplex ist. Selbst bei paralleler Abarbeitung kommt man um exponentielle Laufzeiten nicht herum [15].

Die Unentscheidbarkeit des Inklusionsproblems und die darauf zurĂŒckgehenden enormen Schwierigkeiten bei der praktischen Lösung des (allgemeinen) Erreichbarkeitsproblems veranlassen uns zu fragen, unter welchen UmstĂ€nden die unentscheidbaren Probleme entscheidbar, insbesondere das Erreichbarkeitsproblem einfacher werden kann. Wir haben bereits angedeutet, dass die Erreichbarkeitsmengen von gewissen Klassen der gewöhnlichen Petri-Netze berechnet werden können. Der Preis dafĂŒr ist eine gegenĂŒber dem Grundmodell eingeschrĂ€nkte LeistungsfĂ€higkeit (bisher sprachen wir von leistungssteigernden Varianten des Grundmodells) – diese ist aber in der Praxis hĂ€ufig ausreichend. Ein wichtiger Spezialfall liegt vor, wenn die Erreichbarkeitsmenge endlich ist, was sogar feststellbar ist [11]. Es ist nĂ€mlich in diesem Falle möglich, die Erreichbarkeitsmenge zu berechnen, und folglich ist das (endliche) Inklusionsproblem (und damit auch das Gleichheitsproblem) entscheidbar [11], wenn auch von exorbitanter KomplexitĂ€t [18]. Auch unendliche Erreichbarkeitsmengen können berechenbar sein – vorausgesetzt, dass deren Struktur hinreichend regulĂ€r ist, z. B. semilinear, d. h. erfassbar durch die sog. Presburger-Arithmetik [22]. (Die SemilinearitĂ€t der Erreichbarkeitsmenge ist ebenfalls algorithmisch feststellbar.)

Derartige Resultate können – neben der Vereinfachung vieler Probleme – auch eine andere Rolle spielen. Noch vor wenigen Jahren waren sie Teillösungen des damals noch offenen Erreichbarkeitsproblems und Meilensteine auf dem Wege zu dessen endgĂŒltigen Lösung. Gerade dieser Umstand war das Hauptmotiv fĂŒr die Entstehung dieser Arbeit. Das bislang offene Erreichbarkeitsproblem von Petri-Netzen mit genau einer und dessen Unentscheidbarkeit bei mehreren inhibitor-Kanten haben uns veranlasst, nach Ă€hnlichen Resultaten zu suchen. Insbesondere konzentrieren wir uns in der vorliegenden Arbeit auf die Frage, inwieweit die auf der SemilinearitĂ€t basierenden Aussagen auf Petri-Netze mit inhibitor-Kanten ĂŒbertragbar sind.

Die SemilinearitĂ€t der Erreichbarkeitsmengen ist zunĂ€chst bei Petri-Netzen von geringer Dimension⁞ zu erwarten. Diese Vermutung bestĂ€tigte Van Leeuwen [25] fĂŒr (gewöhnliche) Vektor-Additionssysteme der Dimension n ≀ 3, gefolgt von Hopcroft und Pansiot [10], die sogar die exakte, dimensionsbezogene Grenze der SemilinearitĂ€t ermittelten von (n ≀ 5). In der vorliegenden Arbeit wird u. a. untersucht, ob inhibitor-Kanten diese Grenze tangieren. UnabhĂ€ngig von der Dimension sind die Erreichbarkeitsmengen von sog. selbstdualen Petri-Netzen stets semilinear [4]. Das Erreichbarkeitsproblem ist in diesem Falle Ă€quivalent zum Wortproblem kommutativer Halbgruppenâč [4], [8], und folglich ist dessen KomplexitĂ€t von besonderem Interesse fĂŒr uns [19].

Des Weiteren werden einige ergĂ€nzende Aussagen ĂŒber die Struktur der Erreichbarkeitsmengen von gewöhnlichen Vektor-Ersetzungssystemen gemacht. Die hier ermittelte dimensionsbezogene SemilinearitĂ€tsgrenze gibt zugleich Aufschluss ĂŒber das Kompaktierungspotential kontrollierender Stellen, die ein Bestandteil von Vektor-Ersetzungssystemen, nicht aber Vektor-Additionssystemen sind. Die Auswirkung solcher Stellen auf die dimensionsbezogene SemilinearitĂ€tsgrenze gewöhnlicher Petri-Netze wird damit ebenfalls geklĂ€rt. Die Kombination: kontrollierende Stellen und inhibitor-Kanten ist in diesem Zusammenhang etwas diffiziler und wird in der vorliegenden Arbeit nur im Sinne von oberen Schranken geklĂ€rt (ein möglicher Weg zur Beantwortung relevanter Fragen hinsichtlich dieser Konstellation wird durch eine entsprechend untermauerte These mit weiteren Hinweisen aufgezeichnet). Außerdem diskutieren wir Vektor-Additionssysteme, bei denen das Feuern von Transitionen zusĂ€tzlich an das Vorliegen eines bestimmten Zustandes geknĂŒpft ist. Diese Gebilde sind leistungsfĂ€higer und besitzen eine SemilinearitĂ€tsgrenze von n ≀ 2 [10]. Sog. Vektor-Ersetzungssysteme mit kontrollierenden ZustĂ€nden werden definiert und deren SemilinearitĂ€tsgrenze ermittelt. Auch hier wird die Auswirkung von inhibitor-Kanten auf diese Grenze untersucht, was uns ein Resultat liefert, das in Anbetracht der Minsky-Barsdin-Theoreme [30] zwar vermutet, jedoch nicht hergeleitet werden konnte.

Abschließend diskutieren wir einige offene Fragen, z. B. das Erreichbarkeitsproblem der Petri-Netze mit genau einer inhibitor-Kante. Ein interessanter Spezialfall geht auf schwach-monotone inhibitor-Transitionen zurĂŒck. Die RĂŒckfĂŒhrung auf die Erreichbarkeitsmengen gewöhnlicher Petri-Netze ist wegen der Unentscheidbarkeit des Inklusionsproblems zwar noch nicht die abschließende Lösung des Erreichbarkeitsproblems, kann aber sicherlich als ein guter Tipp auf dem Wege dahin angesehen werden.

Die vorliegende Arbeit vermittelt DenkanstĂ¶ĂŸe hinsichtlich vielerlei offener Probleme, z. B. hinsichtlich der Projektionen der Petri-Netz-Erreichbarkeitsmengen auf Stellen, um nur ein weiteres, bislang ungelöstes Problem zu nennen. Diese Projektionen sind bei gewöhnlichen Vektor-Additionssystemen unabhĂ€ngig von der Dimension semilinear [3] – es ist allerdings unklar, wie viele inhibitor-Kanten diesen Sachverhalt verĂ€ndern können.

______________________________

      1. engl. vector addition system, vector replacement system.
      2. diese entsprechen den Mengen aller erreichbaren SystemzustÀnde.
      3. engl. weak Petri net Computer. Es handelt sich dabei um ganzzahlige Funktionen [16], [25].
      4. engl. general reachability problem.
      5. engl. liveness problem.
      6. bei zwei und mehr inhibitor-Kanten besteht Äquivalenz zum Halteproblem.
      7. engl. inclusion problem, equality problem.
      8. gemeint ist die Anzahl der Stellen.
      9. engl. word problem for commutative semigroups.

„Über Petri-Netze mit inhibitor-Kanten…“ §7


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§7. OFFENE FRAGEN. DISKUSSION.

Die abschließende Diskussion beginnen wir mit den zuletzt gemachten Beobachtungen hinsichtlich der WPNC-Berechenbarkeit. Die echten Inklusionen zwischen den Klassen WPNC, WPNCÂč und WPNCÂČ sind sicherlich ein elegantes Resultat, das letzten Endes das belegt, was wir lĂ€ngst vermutet haben – nĂ€mlich, dass die Inhibitor-Kanten (und eine einzelne ebenfalls) eine qualitative VerstĂ€rkung des Grundmodells darstellen. Dennoch drĂ€ngen sich dabei einige Fragen auf.

Die erste Frage wirft die ganzzahlige Division auf, die nur in einem ihrer Argumente fallend ist und trotzdem nicht WPNCÂč-berechenbar zu sein scheint. Der Beweis fĂŒr |·/·| \in \text{WPNC}^1 könnte uns dem bislang unbekannten Kriterium fĂŒr die Zugehörigkeit von Funktionen zu den entsprechenden WPNC-Klassen nĂ€her bringen. Letzteres ist wohl die wichtigste offene Frage in diesem Zusammenhang.

Ein schwaches Kriterium haben wir im letzten Kapitel kennengelernt und zum Teil erfolgreich angewandt:

 \text{Anzahl der Inhibitor-Kanten} \ge \begin{cases} \text{Anzahl der Argumente, in denen die Funktion nicht wachsend ist.} \end{cases}

Das Beispiel der ganzzahligen Division (und auch z. B. der Modulo-Division zur variablen Basis: x \mod y \in \text{WPNC}^{2\,?}) zeigt jedoch, dass dieses Kriterium nicht das exakte sein kann.

Aber auch einargumentige Funktionen werfen einige offene Probleme auf. Die Minsky-Barsdin-Theoreme (§6) definieren klar den dimensionsbezogenen Rahmen in Petri-Netzen, die wir als wettbewerbsfrei bezeichnet haben. Diese Eigenschaft könnte sich als hilfreich erweisen, wenn mehr bekannt wĂ€re ĂŒber obere Schranken z. B. hinsichtlich der kontrollierenden ZustĂ€nde in den relevanten ZĂ€hlerautomaten.

Die Theoreme 5.4 und 5.5 (§5) belegen, dass die Inhibitor-Kanten die dimensionsbezogenen SemilinearitĂ€tsgrenzen nur geringfĂŒgig verschieben. Auf der anderen Seite zeigt das Theorem 5.14 (zusammen mit dem Lemma 4.4), dass bereits genau eine Inhibitor-Kante eine solche Verschiebung verursacht. Dieser Umstand wĂŒrde eher auf die Unentscheidbarkeit des bislang offenen Erreichbarkeitsproblems fĂŒr Petri-Netze mit genau einer Inhibitor-Kante hindeuten.

Auf der anderen Seite lĂ€sst das Theorem 5.4 vermuten, dass die dimensionsbezogenen SemilinearitĂ€tsgrenzen fĂŒr Petri-Netze ohne kontrollierende ZustĂ€nde auf die Simulierbarkeit eines gewissen, in jeder Hinsicht „minimalen“ Netzes mit kontrollierenden ZustĂ€nden hinauslaufen. Diese These wird wohl kaum direkt beweisbar sein. Sie wird vielmehr aus den dimensionsbezogenen SemilinearitĂ€tsgrenzen fĂŒr alle Grundmodell-Varianten folgen.

ZunĂ€chst mĂŒssen wir uns die Frage stellen, welche Petri-Netze (mit kontrollierenden ZustĂ€nden und nicht-semilinearen Erreichbarkeitsmengen) die einfachsten sind im Hinblick auf eine eventuelle Simulation. Ist vielleicht das Petri-Netz aus dem Beispiel Abb. 5 ein solch einfaches Petri-Netz (mit weniger als zwei Inhibitor-Kanten)? Diese Frage werden wir exakt beantworten können.

Auf diese These aufbauend zeigen wir, dass das Petri-Netz aus Abb. 5 in jeder Hinsicht das einfachste mit nicht-semilinearen Erreichbarkeitsmengen ist. ZunĂ€chst beobachten wir, dass mindestens zwei kontrollierende ZustĂ€nde erforderlich sind. Eine zweite 0-Transition wĂŒrde die kontrollierenden ZustĂ€nde ĂŒberflĂŒssig machen. Es bleibt nur noch zu zeigen, dass sĂ€mtliche Transitionsbeschriftungen, die unser Petri-Netz beinhaltet, auch erforderlich sind.

Abb. 5

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Damit wÀre die Frage der dimensionsbezogenen SemilinearitÀtsgrenzen auf die Simulierbarkeit des Petri-Netzes aus Abb. 5 (oder eines anderen mit den gleichartigen Transitionsbeschriftungen) reduziert. Entscheidend ist dabei nicht nur die obige These, sondern auch das Theorem 5.4.

Tabellarische Zusammenfassung der Resultate (§5)

Gebilde Inhibitor-Kanten
Inhibitor-Stellen
SemilinearitÀtsgrenze
Referenz
Vektor-Additions-/Ersetzungssysteme
mit kontrollierenden ZustÀnden
Îč = 0
σ = 0
n* = 2
Lemma 5.3, Abb. 5
Vektor-Additions-/Ersetzungssysteme
mit kontrollierenden ZustÀnden
Îč = 1
σ = 1
n* = 2
Theorem 5.4, Abb. 5
Vektor-Additions-/Ersetzungssysteme
mit kontrollierenden ZustÀnden
Îč ≄ 2
σ = 1
n* = 2
Theorem 5.5, Abb. 5
Vektor-Additions-/Ersetzungssysteme
mit kontrollierenden ZustÀnden
Îč ≄ 2
σ ≄ 2
n* = 1
Theorem 5.6, Abb. 9

„Über Petri-Netze mit inhibitor-Kanten…“ §6


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§6. WPNC-BERECHENBARKEIT, ZÄHLERAUTOMATEN

Im vorangegangenen Paragraphen haben wir die Auswirkungen von Inhibitor-Kanten auf dimensionsbezogene SemilinearitÀtsgrenzen studiert. Dennoch sind Inhibitor-Kanten ein Mittel, das qualitativ mehr ermöglicht als nur das Basismodell. Das zeigt sich insbesondere bei der Simulation von BerechnungsvorgÀngen.

Definition 6.1. (Schwacher Petri-Netz-Computer)

Sei \mathcal{P} ein Petri-Netz mit Stellenmenge

 S = \{o\} \cup \{s\} \cup X \cup R

mit X = \{x_1, \dots, x_n\} und R = \{r_1, \dots, r_k\}.

FĂŒr alle Transitionen t \in T gelte:

  • \kappa(o, t) = 0
  • \kappa(t, x_j) = 0 fĂŒr alle x_j \in X
  • \kappa(t, s) \ge \kappa(s, t)

Ein Petri-Netz \mathcal{P} mit fester Initialmarkierung m_1(R) ist ein schwacher Petri-Netz-Computer (kurz: m_1(R)\text{-}WPNC) fĂŒr eine Funktion f: D \to \mathbb{N} (D \subseteq \mathbb{N}^n), wenn fĂŒr alle zulĂ€ssigen Anfangsmarkierungen m_0 mit m_0(R) = m_1(R), m_0(s) = 1, m_0(o) = 0 und m_0(X) \in D gilt:

 \{ m(o) \mid m_0 \to^* m \text{ und } m(x_2) = 0 \} = \{0, 1, \dots, f(m_0(X))\}.

Existiert ein solches WPNC fĂŒr f, dann heißt f WPNC-berechenbar.

Beispiele

WPNC 1 (Addition)

f(x_1, x_2) = x_1 + x_2

Abbildung WPNC 1 (einfacher Addierer ohne innere Stellen)

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WPNC 2 (Multiplikation)

f(x_1, x_2) = x_1 \cdot x_2 mit fester Initialmarkierung m_1(R) = (1,0,0,0)

Abbildung WPNC 2

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WPNC 3 (Potenzierung)

f(x) = x^a fĂŒr festes a \in \mathbb{N} (durch Kaskadierung von Multiplizierern)

Abbildung WPNC 3

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WPNC 4 (Exponentialfunktion)

f(x) = 2^x

Realisiert mit dem Petri-Netz aus Abb. 2 / Abb. 4 (Lemma 4.4). Es gilt stets:

 m(s_2) + \frac{m(s_3)}{2} \le 2^x

Das Ergebnis wird aus s_2 und s_3 (mit Halbierung) entnommen.

Abbildung WPNC 4

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WPNC 5 (Subtraktion)

f(x_1, x_2) = x_1 – x_2 (fĂŒr x_1 \ge x_2)

Abbildung WPNC 5

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WPNC 6 (Modulo-Division)

f(x) = x \mod a fĂŒr festes a \in \mathbb{N}

Abbildung WPNC 6

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Weitere Ergebnisse zur WPNC-Berechenbarkeit

  • Alle monoton wachsenden Funktionen (inkl. Ackermann-Funktion) sind WPNC-berechenbar.
  • Nicht-monotone Funktionen wie Subtraktion, Division und Modulo sind mit gewöhnlichen Petri-Netzen nicht WPNC-berechenbar.
  • Mit einer Inhibitor-Kante werden Subtraktion und Modulo-Division berechenbar (WPNC 5 und WPNC 6).
  • Die ganzzahlige Division \lfloor x_1 / x_2 \rfloor erfordert wahrscheinlich zwei Inhibitor-Kanten.

Es gilt die Inklusionskette:

 WPNC \subset WPNC^{1I} \subset WPNC^{2I}

ZĂ€hlerautomaten (Counter Automata)

Definition 6.2.

Ein n-Band ZĂ€hlerautomat CM^n = (Q, \chi) besteht aus einer endlichen Zustandsmenge Q = \{q_1, \dots, q_m\} und einer Übergangsfunktion

 \chi : (Q \times \mathbb{N}^n) \to (Q \times \mathbb{Z}^n)

mit der Eigenschaft:

 \chi(q, x) = \chi(q, x') \quad \text{falls die Nullstellenmengen von } x \text{ und } x' \text{ übereinstimmen}.

Definition 6.3.

Eine Funktion f \in \mathcal{F} ist CMÂł-berechenbar, wenn es einen 3-Band-ZĂ€hlerautomaten gibt, der fĂŒr jede Eingabe x \in D in endlicher Zeit in einer Konfiguration mit f(x) auf einem der BĂ€nder hĂ€lt.

Theorem 6.1 (Minsky)

Jede algorithmisch berechenbare Funktion f : \mathbb{N} \to \mathbb{N} ist CMÂł-berechenbar.

Theorem 6.2 (Barsdin)

FĂŒr jede CMÂČ-berechenbare Funktion f existieren Konstanten \phi, \omega \in \mathbb{N}, sodass gilt:

 f(x + m \omega) = f(x) + m \phi \quad \text{für alle } m = 0,1,2,\dots

Korollar 6.3

Es gibt Funktionen aus \mathcal{F}, die mit zweidimensionalen WPNCs (auch mit Inhibitor-Kanten und kontrollierenden ZustÀnden) nicht berechenbar sind.

Zusammenfassung

  • WPNCs können viele wichtige Funktionen berechnen, scheitern aber bei nicht-monotonen Funktionen ohne Inhibitor-Kanten.
  • Eine Inhibitor-Kante erweitert die Klasse deutlich (Subtraktion, Modulo).
  • ZĂ€hlerautomaten sind Ă€quivalent zu single-path Petri-Netzen mit Inhibitor-Kanten und kontrollierenden ZustĂ€nden.
  • Die Minsky-Barsdin-Theoreme geben untere Schranken fĂŒr die Kompaktheit von Berechnungsmodellen.

Die Frage nach der minimalen Dimension und der minimalen Anzahl von Inhibitor-Kanten fĂŒr die Berechnung beliebiger Funktionen aus \mathcal{F} bleibt fĂŒr das nĂ€chste Kapitel offen.

„Über Petri-Netze mit inhibitor-Kanten…“ §5


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§5. DIMENSIONSBEZOGENE SEMILINEARITÄTSGRENZEN

Das Korollar 4.5 markiert Dimensionen verschiedener Varianten von Petri-Netzen, in denen die Erreichbarkeitsmengen nicht-semilinear sein können. Die zentrale Frage lautet: Bis zu welcher Dimension ist SemilinearitÀt der Erreichbarkeitsmengen obligatorisch?

Wir sprechen von einer dimensionsbezogenen SemilinearitĂ€tsgrenze n^*, wenn die SemilinearitĂ€t fĂŒr alle Petri-Netze einer Klasse bis zur Dimension n^* gilt und es in der Dimension n^* + 1 Gegenbeispiele mit nicht-semilinearen Erreichbarkeitsmengen gibt.

Lemma 5.1 (zitiert aus [10])

Die dimensionsbezogene SemilinearitĂ€tsgrenze fĂŒr gewöhnliche Vektor-Additionssysteme mit kontrollierenden ZustĂ€nden betrĂ€gt n^* = 2. Es gilt:

 \mathcal{R}_\mathcal{V}(\vec{M}_0) \in \text{sem}(\mathbb{N}^2 \times Q) \quad \text{für alle } \vec{M}_0 \in \text{sem}(\mathbb{N}^2 \times Q).

Diese Erreichbarkeitsmengen sind effektiv berechenbar.

Lemma 5.2 (zitiert aus [10])

Die dimensionsbezogene SemilinearitĂ€tsgrenze fĂŒr gewöhnliche Vektor-Additionssysteme ohne kontrollierende ZustĂ€nde betrĂ€gt n^* = 5. Es gilt:

 \mathcal{R}_\mathcal{V}(M_0) \in \text{sem}(\mathbb{N}^5) \quad \text{für alle } M_0 \in \text{sem}(\mathbb{N}^5).

Diese Erreichbarkeitsmengen sind effektiv berechenbar.

Lemma 5.3

Die dimensionsbezogenen SemilinearitĂ€tsgrenzen fĂŒr gewöhnliche Vektor-Additionssysteme und Vektor-Ersetzungssysteme mit kontrollierenden ZustĂ€nden sind gleich und betragen n^* = 2. Es gilt:

 \mathcal{R}_\mathcal{V}(\vec{M}_0) \in \text{sem}(\mathbb{N}^2 \times Q) \quad \text{für alle } \vec{M}_0 \in \text{sem}(\mathbb{N}^2 \times Q).

Theorem 5.4

Die dimensionsbezogenen SemilinearitĂ€tsgrenzen fĂŒr gewöhnliche Vektor-Additionssysteme und Vektor-Ersetzungssysteme mit kontrollierenden ZustĂ€nden und genau einer Inhibitor-Kante betragen n^* = 2. Es gilt:

 \mathcal{R}_\mathcal{V}(\vec{M}_0) \in \text{sem}(\mathbb{N}^2 \times Q) \quad \text{für alle } \vec{M}_0 \in \text{sem}(\mathbb{N}^2 \times Q).

Diese Erreichbarkeitsmengen sind effektiv berechenbar.

Beweisidee (Algorithmus A1)

Der Algorithmus A1 berechnet die Erreichbarkeitsmenge auf der Inhibitor-Hyperebene \eta‘ rekursiv. Er kombiniert die Inhibitor-Translation mit dem Algorithmus aus [10].

Es wird gezeigt (Lemma 5.4.1), dass der Algorithmus in endlicher Zeit terminiert, und (Lemma 5.4.2), dass er die korrekte Menge auf der Hyperebene liefert.

Theorem 5.5

Die dimensionsbezogenen SemilinearitĂ€tsgrenzen fĂŒr Systeme mit kontrollierenden ZustĂ€nden, beliebig vielen Inhibitor-Kanten und genau einer Inhibitor-Stelle betragen n^* = 2. Es gilt:

 \mathcal{R}_{\mathcal{V},k}(\vec{M}_0) \in \text{sem}(\mathbb{N}^2 \times Q) \quad \text{für alle } \vec{M}_0 \in \text{sem}(\mathbb{N}^2 \times Q).

Beweis durch Induktion ĂŒber die Anzahl der Inhibitor-Transitionen (mit rekursivem Algorithmus A2).

Theorem 5.6

Die dimensionsbezogenen SemilinearitĂ€tsgrenzen fĂŒr Systeme mit kontrollierenden ZustĂ€nden und beliebig vielen Inhibitor-Kanten (ohne BeschrĂ€nkung auf eine Inhibitor-Stelle) betragen n^* = 1. Es gilt:

 \mathcal{R}_{\mathcal{V},k}(\vec{M}_0) \in \text{sem}(\mathbb{N}^1 \times Q) \quad \text{für alle } \vec{M}_0 \in \text{sem}(\mathbb{N}^1 \times Q).

Beweis der unteren Schranke: Das Petri-Netz aus Abb. 9 hat eine nicht-semilineare Erreichbarkeitsmenge.

Abb. 9

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Korollar 5.7

Die Erreichbarkeitsmengen der fĂŒnfdimensionalen Vektor-Additionssysteme sowie der vierdimensionalen Vektor-Ersetzungssysteme mit mindestens zwei Inhibitor-Vektoren sind bereits unter einelementigen Anfangsmengen im Allgemeinen nicht-semilinear.

Zusammenfassung – Dimensionsbezogene SemilinearitĂ€tsgrenzen

Systemklasse Inhibitor-Kanten / Stellen SemilinearitÀtsgrenze n^*
VAS / VES mit kontrollierenden ZustÀnden keine 2
VAS / VES mit kontrollierenden ZustÀnden + 1 Inhibitor-Kante 1 Kante 2
VAS / VES mit kontrollierenden ZustÀnden + beliebig viele Inhibitor-Kanten beliebig viele Kanten, 1 Stelle 2
VAS / VES mit kontrollierenden ZustÀnden + beliebig viele Inhibitor-Kanten beliebig viele Kanten (ohne EinschrÀnkung) 1

Weitere wichtige Erkenntnisse

  • Kontrollierende ZustĂ€nde verschieben die SemilinearitĂ€tsgrenze deutlich stĂ€rker als kontrollierende Stellen.
  • Erst zwei Inhibitor-Kanten verschieben die SemilinearitĂ€tsgrenze gegenĂŒber dem Modell mit kontrollierenden ZustĂ€nden.
  • Die Anzahl der Inhibitor-Stellen ist entscheidender als die reine Anzahl der Inhibitor-Kanten.

Abb. 10 zeigt eine alternative Simulation mit zwei zusÀtzlichen Stellen und zwei Inhibitor-Kanten.

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Die Ergebnisse dieses Kapitels zeigen, dass nicht-semilineare Erreichbarkeitsmengen vor allem dann entstehen, wenn ausreichend viele Transitionen durch kontrollierende ZustÀnde oder beschrÀnkte Stellen am Feuern gehindert werden können.

„Über Petri-Netze mit inhibitor-Kanten…“ §4


.

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§4. SEMILINEARE ERREICHBARKEITSMENGEN

Zu den zentralen Motiven dieser Arbeit gehört die Charakterisierung der Petri-Netz-Erreichbarkeitsmengen unter dem Blickwinkel der SemilinearitĂ€t. Semilineare Erreichbarkeitsmengen sind von verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig einfacher Struktur und machen die ansonsten unentscheidbaren Probleme entscheidbar.

Das Konzept der SemilinearitĂ€t geht im Wesentlichen auf die sogenannte Presburger-Arithmetik zurĂŒck [22].

Definition 4.1. (Lineare Menge)

Unter einer linearen Menge zur Basis b \in \mathbb{N}^n mit der Periodenmenge P = \{p_1, \dots, p_l\} \subseteq \mathbb{N}^n verstehen wir die Menge:

 L = L(b, P) = \left\{ x \in \mathbb{N}^n \;\middle|\; \exists \alpha_1, \dots, \alpha_k \in \mathbb{N},\ p_j \in P : x = b + \sum_{j=1}^k \alpha_j p_j \right\}.

Wir sprechen von einer linearen Menge zu einer Basismenge B \subseteq \mathbb{N}^n mit Periodenmenge P, wenn:

 L = L(B, P) = \bigcup_{b \in B} L(b, P).

Definition 4.2. (Semilineare Menge)

Jede endliche Vereinigung von linearen Mengen nennen wir eine semilineare Menge. Mit \text{sem}(\mathbb{N}^n) bezeichnen wir das System aller semilinearen Teilmengen von \mathbb{N}^n.

Lemma 4.1.

Sei l ein eindimensionales Teilgitter aus \mathbb{N}^n. FĂŒr jede Folge \{L(x_j, P_j)\} mit L(x_j, P_j) \subseteq l und P_j \subseteq P_{j+1} gilt:

 \bigcup_{j=1}^\infty L(x_j, P_j) = \bigcup_{j=1}^k L(x_j, P_j) \quad \text{für ein } k \in \mathbb{N}.

Lemma 4.2.

FĂŒr alle b \in \mathbb{N}^n und alle endlichen Periodenmengen P \subseteq \mathbb{N}^n existiert ein gewöhnliches Vektor-Additionssystem \mathcal{U} mit der Eigenschaft:

 \mathcal{R}_\mathcal{U}(b) = L(b, P).

Lemma 4.3.

SemilinearitÀt ist (unter geeigneten Voraussetzungen) invariant unter semilinearen Anfangsmengen:

 \forall \mathcal{P} \in \mathcal{C}^n,\ m_0 \in \mathbb{N}^n:\  \mathcal{R}_\mathcal{P}(m_0) \in \text{sem}(\mathbb{N}^n)  \implies  \forall M_0 \in \text{sem}(\mathbb{N}^n):\  \mathcal{R}_\mathcal{P}(M_0) \in \text{sem}(\mathbb{N}^n).

Lemma 4.4.

Die Erreichbarkeitsmengen der (mindestens) vierdimensionalen Vektor-Ersetzungssysteme mit genau einer Inhibitor-Kante sind im Allgemeinen **nicht-semilinear** (auch bei einelementigen, semilinearen Anfangsmengen).

Beweis-Skizze (Beispiel Abb. 8): Mit der Startmarkierung m_0 = (0,0,1,1) und den Bedingungen

     \begin{align*} (B1a) &\quad 0 < x_2 + x_3 \le 2^{x_4} \\ (B1b) &\quad x_4 > 0 \\ (B2a) &\quad 0 < 2x_2 + x_3 \le 2^{x_1+1} \\ (B2b) &\quad x_4 = 0 \end{align*}

zusammen mit (B12)\ x_4 \le x_1 + 1 entsteht eine nicht-semilineare Menge. Durch vollstĂ€ndige Induktion wird gezeigt, dass genau die Punkte erreichbar sind, die diese Bedingungen erfĂŒllen.

Abb. 8

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Korollar 4.5.

Die Erreichbarkeitsmengen der folgenden Gebilde sind unter einelementigen Anfangsmengen im Allgemeinen **nicht-semilinear**:

  • Gewöhnliche Vektor-Additionssysteme der Dimension n \ge 6
  • Gewöhnliche Vektor-Ersetzungssysteme der Dimension n \ge 5
  • Gewöhnliche Vektor-Additionssysteme und Vektor-Ersetzungssysteme mit kontrollierenden ZustĂ€nden der Dimension n \ge 3
  • Vektor-Ersetzungssysteme mit genau einem Inhibitor-Vektor der Dimension n \ge 4

Lemma 4.6.

Sei \mathcal{V} ein gewöhnliches Petri-Netz mit (PN^*) der Dimension n. FĂŒr alle Komponentenpaare j \ne k existiert eine effektiv berechenbare Konstante g^{j,k} \in \mathbb{N}^n mit g_j^{j,k} = g_k^{j,k} = 0, sodass die Erreichbarkeitsmengen von \mathcal{V} **strikt innerhalb** von G^{j,k} = \{x \in \mathbb{N}^n \mid x \ge g^{j,k}\} durch semilineare Teilmengen eingehĂŒllt werden können.

Zusammenfassung der Erkenntnisse

Nicht-semilineare Erreichbarkeitsmengen treten bereits bei relativ kleinen Dimensionen auf. Andererseits „neigen“ viele Petri-Netze (insbesondere mit (PN^*)) in „hohen“ Regionen stark zur SemilinearitĂ€t. Lemma 4.6 macht diese Beobachtung prĂ€zise.

Die Simulation kontrollierender ZustĂ€nde (siehe §3) sowie die Ergebnisse dieses Kapitels legen nahe, dass nicht-semilineare Mengen vor allem dann entstehen, wenn genĂŒgend viele Transitionen durch kontrollierende ZustĂ€nde oder beschrĂ€nkte Stellen am Feuern gehindert werden können.

„Über Petri-Netze mit inhibitor-Kanten…“ §3


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§3. SIMULATION VON VARIANTEN DES GRUNDMODELLS

Eine weitere Variante der (nicht notwendigerweise gewöhnlichen) Petri-Netze wird unsere Betrachtungen in diesem Paragraphen wesentlich erleichtern. Es handelt sich um Petri-Netze mit kontrollierenden ZustÀnden.1

Definition 3.1.

Ein Petri-Netz mit (endlich vielen) kontrollierenden ZustĂ€nden ist ein Tupel đ’«1,0 = (S, T, Q, Îș) mit folgenden Komponenten und Eigenschaften:

  • (QN1) S = \{s_1, \dots, s_n\} ist eine endliche Menge von Stellen;
  • (QN2) T = \{t_1, \dots, t_l\} ist eine endliche Menge von Transitionen;
  • (QN3) Q = \{q_1, \dots, q_p\} ist eine endliche Menge von kontrollierenden ZustĂ€nden;
  • (QN4) S \cap T = S \cap Q = T \cap Q = \emptyset;
  • (QN5) \kappa : (S \times T) \cup (T \times S) \to \mathbb{N} \cup \{\iota\} ist die erweiterte Kantenabbildung;
  • (QN6) q^a : T \to Q und q^e : T \to Q sind zwei Zustandsabbildungen, die allen Transitionen einen Anfangs- und Endzustand zuordnen.

Gilt \kappa^{-1}(\{\iota\}) = \emptyset, dann sprechen wir von einem gewöhnlichen Petri-Netz mit kontrollierenden ZustĂ€nden. Die Markierung beinhaltet neben der ĂŒblichen Stellenmarkierung stets den augenblicklich vorliegenden kontrollierenden Zustand. Wir sprechen von einer Multimarkierung:

 m = (m(s), m(q)) : S \cup \{q\} \to \mathbb{N} \cup Q

mit m(q) \in Q und m(s) \in \mathbb{N} fĂŒr alle s \in S.

Eine Transition t \in T ist nur dann aktiviert, wenn ihr Anfangszustand q^a(t) mit dem kontrollierenden Zustand m(q) ĂŒbereinstimmt:

 \forall s \in S : [m(s) - \kappa(s, t) \ge 0] \land [(\kappa(s, t) = \iota) \to (m(s) = 0)] \land [m(q) = q^a(t)].

Schaltregel fĂŒr Petri-Netze mit kontrollierenden ZustĂ€nden

Feuert eine aktivierte Transition t im Zustand m und ist der Zustand nach dem Schaltvorgang m' (formal: m \to^1 m'), dann gilt:

 m'(s) = m(s) + \kappa(t, s) - \kappa(s, t) \quad \text{für alle } s \in S,
 m'(q) = q^e(t).

1 Kontrollierende ZustĂ€nde wurden in [10] im Zusammenhang mit gewöhnlichen Vektor-Additionssystemen eingefĂŒhrt. Unsere Definition verallgemeinert dieses Konzept ein wenig.

Beispiel: Abbildung 5

Die Abb. 5 zeigt ein gewöhnliches Petri-Netz mit zwei kontrollierenden ZustĂ€nden q_1, q_2 (der augenblicklich vorliegende kontrollierende Zustand ist durch die doppelt eingekreiste Stelle q markiert) und drei Stellen. Die Transition t_2 ist eine reine ZustandsĂŒberfĂŒhrungstransition.

Abb. 5

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Die Schaltfolge t_1 t_2 t_3 t_4 (t_1)^2 t_2 t_3 erzeugt denselben projizierten Schaltpfad wie in den vorherigen Beispielen.

Definition 3.2. (Projektion)

Unter einer Projektion der Erreichbarkeitsmenge \mathcal{R}_\mathcal{P}(\vec{M}_0) eines Petri-Netzes \mathcal{P}^{1,0} auf ein Gitter G = \mathbb{N}^m \times Q^k (mit m \le n und k \in \{0,1\}) verstehen wir die Menge:

 \mathcal{R}_\mathcal{P}(\vec{M}_0) \downarrow_{\{x_1,\dots,x_m,q\}} = \{\vec{x} \in G \mid \exists \vec{x}' \in \mathcal{R}_\mathcal{P}(\vec{M}_0) : (x'_1,\dots,x'_m,q) = (x_1,\dots,x_m,q)\}

oder analog ohne den Zustand q.

Lemma 3.1.

Jedes Petri-Netz \mathcal{P}^{1,0} kann simuliert werden durch ein gleichdimensionales Petri-Netz \mathcal{R}^{1,0} mit zusĂ€tzlichen kontrollierenden ZustĂ€nden, sodass (PN^*) erfĂŒllt ist. Es gilt:

 \mathcal{R}_\mathcal{P}(\vec{M}_0)|_{q = q_j} = \mathcal{R}_\mathcal{R}(\vec{M}_0)|_{q = q_j} \quad \text{für alle } q_j \in Q_*.

Lemma 3.2.

Jedes Petri-Netz \mathcal{P}^{1,0} mit kontrollierenden ZustĂ€nden kann simuliert werden durch ein Petri-Netz \mathcal{R} (ohne kontrollierende ZustĂ€nde) mit Hilfe von zwei zusĂ€tzlichen Stellen s_1^{(z)}, s_2^{(z)}, wobei diese kontrollierend sind fĂŒr alle t \in T.

 \mathcal{R}_\mathcal{P}(\vec{M}_0) \downarrow_{\{s_1,\dots,s_n\}} = \mathcal{R}_\mathcal{R}(M_0) \downarrow_{\{s_1,\dots,s_n\}}

Lemma 3.3.

Jedes Petri-Netz \mathcal{P}^{1,0} mit kontrollierenden ZustĂ€nden kann simuliert werden durch ein Petri-Netz \mathcal{R} (ohne kontrollierende ZustĂ€nde) mit Hilfe von drei zusĂ€tzlichen Stellen s_1^{(z)}, s_2^{(z)}, s_3^{(z)}, sodass (PN^*) erfĂŒllt ist.

Korollar 3.4. & 3.5.

Jedes Petri-Netz \mathcal{P}^1 (bzw. \mathcal{P}^{1,0}) kann durch ein Petri-Netz \mathcal{R}^1 mit drei zusĂ€tzlichen Stellen simuliert werden, sodass (PN^*) erfĂŒllt ist.

Korollar 3.6.

Das allgemeine Erreichbarkeitsproblem ist fĂŒr gewöhnliche Petri-Netze mit kontrollierenden ZustĂ€nden unabhĂ€ngig von (PN^*) entscheidbar.

Korollar 3.7.

Sei S^{(e)} \subseteq S mit \mathcal{R}_e(\cdot) \downarrow_{s} \subseteq \{0,\dots,c\} fĂŒr ein c \in \mathbb{N} und alle s \in S^{(e)}. Dann kann \mathcal{P}^{1,0} im Sinne der Projektion auf S \setminus S^{(e)} durch ein Petri-Netz der Dimension n = |S \setminus S^{(e)}| + 2 (bzw. +3 bei (PN^*)) simuliert werden.

Abbildungen

Abb. 6 und Abb. 7 zeigen Beispiele fĂŒr die Simulation kontrollierender ZustĂ€nde (mit und ohne Inhibitor-Kante).

→ Hier die entsprechenden Bilder aus dem PDF einfĂŒgen

Aus unseren Überlegungen folgt, dass kontrollierende ZustĂ€nde sowie kontrollierende Stellen nichts an dimensionsunabhĂ€ngigen Aussagen ĂŒber Petri-Netze Ă€ndern. Insbesondere gilt Korollar 3.6.

„Über Petri-Netze mit inhibitor-Kanten…“ §2


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§2. GRUNDLEGENDE KONZEPTE

Die Diskussion der grundlegenden Konzepte lehnen wir zunÀchst an gewöhnliche Petri-Netze an.

Definition 2.1

Ein gewöhnliches Petri-Netz ist ein Tupel \mathcal{P} = (S, T, \kappa) mit folgenden Komponenten und Eigenschaften:

  • (PN1) S = \{s_1, \dots, s_n\} ist eine endliche Menge von Stellen;
  • (PN2) T = \{t_1, \dots, t_l\} ist eine endliche Menge von Transitionen;
  • (PN3) S \cap T = \emptyset;
  • (PN4) \kappa: (S \times T) \cup (T \times S) \to \mathbb{N} ist eine Kantenabbildung.

Das Abbild eines solchen Tupels ist ein gerichteter Graph, mit Stellen und Transitionen als Knoten, sowie beschrifteten Kanten von Stellen zu Transitionen und vice versa. Die Kantenbeschriftung symbolisiert die sogenannte Kantenvielfachheit, die die Abbildung aus (PN4) beinhaltet. Kanten mit \kappa(\cdot, \cdot) = 0 sind als nicht existent anzusehen.

Eine Transition t kann Ein- und Ausgangsstellen haben (es gilt entsprechend \kappa(s, t) > 0, bzw. \kappa(t, s) > 0). Stellen, die gleichzeitig Ein- und Ausgangsstellen fĂŒr eine Transition sind, nennen wir kontrollierende Stellen. Es kann zusĂ€tzlich gefordert werden, dass das Petri-Netz solche Stellen nicht enthĂ€lt. Es gilt dann:

 (\text{PN}^*) \quad \forall s \in S, \, t \in T: \quad \kappa(s, t) = 0 \lor \kappa(t, s) = 0.

Ein Petri-Netz ist demnach ein rein statisches Gebilde. Dynamische Eigenschaften werden ihm erst durch die sogenannte Markierung verliehen (wir sprechen vom markierten Petri-Netz):

(PN5) m: S \to \mathbb{N}.

Diese Markierung fixiert einen Zustand des gegebenen Petri-Netzes und kann nach bestimmten Regeln, sogenannten Schaltregeln, verĂ€ndert werden. Der ZustandsĂŒberfĂŒhrungsvorgang bleibt nur den sogenannten aktivierten Transitionen vorbehalten.

Eine Transition t \in T ist aktiviert (auch schaltbar), wenn gilt:

 \forall s \in S: \quad m(s) - \kappa(s, t) \ge 0.

Schaltregel fĂŒr gewöhnliche Petri-Netze

Feuert eine aktivierte Transition t im Zustand m und ist der Zustand nach dem Schaltvorgang \tilde{m} (formal: m \to^1 \tilde{m}), dann gilt:

 \tilde{m}(s) = m(s) + \kappa(t, s) - \kappa(s, t) \quad \text{für alle } s \in S.

Beispiel

Die Abb. 1 zeigt ein Petri-Netz, bestehend aus drei Stellen s_1, s_2, s_3 (dargestellt durch Ringe) und einer Transition t (dargestellt durch einen Balken), mit folgender Kantenabbildung:

 \kappa(k_1, k_2) = \begin{cases} 3 & \text{falls } k_1 = s_2 \land k_2 = t, \\ 2 & \text{falls } k_1 = s_1 \land k_2 = t, \\ 1 & \text{falls } k_1 = t \land k_2 = s_3, \\ 0 & \text{sonst.} \end{cases}

Abb. 1

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Keine dieser Stellen ist kontrollierend – (PN*) ist damit erfĂŒllt.

Den Zustand (Markierung) des Petri-Netzes pflegen wir durch direktes Einzeichnen der Marken in die Stellen. Der Anfangszustand (Abb. 1 links) ist demnach m = (3,3,1), der Endzustand (Abb. 1 rechts) m = (1,0,2). Bildhaft gesprochen wandern die Marken von den Eingangsstellen hinĂŒber auf die Ausgangsstellen unter BerĂŒcksichtigung der Kantenvielfachheiten.

Im Allgemeinen werden aber offensichtlich auch weitere SchaltvorgĂ€nge möglich sein – insbesondere durch andere Transitionen. Derartige Schaltfolgen sind vor allem im Hinblick auf das bereits angesprochene Erreichbarkeitsproblem von besonderem Interesse fĂŒr uns.

Sei T^* die Menge aller Wörter ĂŒber dem (endlichen) Alphabet T, zusammen mit dem leeren Wort \lambda (T^* ist damit ein Monoid hinsichtlich der Konkatenation). Unter einer Transitionenfolge verstehen wir jedes Element \tau \in T^*.

Sei \tau = (t_{j(1)}, \dots, t_{j(k)}) \in T^* mit j(i) \in \{1, \dots, l\}, 1 \le i \le k. Wir sprechen von einer zulÀssigen Transitionenfolge (auch Schaltfolge) zu gegebenem Zustand m, wenn gilt:

 \forall s \in S, \, i \in \{1, \dots, k\}: \left[ m(s) + \left( \sum_{v=1}^{i-1} [\kappa(t_{j(v)}, s) - \kappa(s, t_{j(v)})] \right) - \kappa(s, t_{j(i)}) \right] \ge 0.

Da jede Schaltfolge eine Art zusammengesetzter Transition ist, können wir die erweiterte Schaltregel fĂŒr gewöhnliche Petri-Netze folgendermaßen angeben:

 m \to^* \tilde{m} \quad \implies \quad \tilde{m}(s) = m(s) + \sum_{v=1}^{k} [\kappa(t_{j(v)}, s) - \kappa(s, t_{j(v)})] \quad \text{für alle } s \in S.

Beispiel: Abbildung 2

Abb. 2 schildert die ZustandsverĂ€nderung eines Petri-Netzes beim Feuern der (zulĂ€ssigen) Schaltfolge t_1 t_2 t_3 t_4 (t_1)^2 t_2 t_3 mit einigen ZwischenzustĂ€nden. Im Gegensatz zum vorherigen Beispiel enthĂ€lt dieses Petri-Netz zwei kontrollierende Stellen: s_4 (kontrollierend fĂŒr t_1) und s_5 (kontrollierend fĂŒr t_3). Es gilt nĂ€mlich:

     \begin{align*} \kappa(s_4, t_1) &= \kappa(t_1, s_4) = 1 \\ \kappa(s_5, t_3) &= \kappa(t_3, s_5) = 1 \end{align*}

Abb. 2

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Diese beiden Stellen weisen darĂŒber hinaus noch eine andere interessante Eigenschaft auf: es gilt stets m(s_4) = 1 - m(s_5). Zwei Stellen s und \bar{s} nennen wir zueinander komplementĂ€r, wenn es eine Konstante a = a(m_0) \in \mathbb{N}_+ gibt, mit:

 m(\bar{s}) = a - m(s) \quad \text{für alle } m \in \mathcal{R}_\mathcal{P}(m_0).

Definition 2.2.

Die Erreichbarkeitsmenge eines Petri-Netzes \mathcal{P} = (S, T, \kappa) mit dem Anfangszustand m_0 ist die Menge:

 \mathcal{R}_\mathcal{P}(m_0) = \{ m \mid m_0 \to^* m \text{ für eine zulässige Schaltfolge } \tau \in T^* \}.

Die Erreichbarkeitsmenge kann sich auch auf eine (nicht notwendigerweise endliche) Menge M_0 von AnfangszustÀnden beziehen:

 \mathcal{R}_\mathcal{P}(M_0) = \{ m \mid \exists m_0 \in M_0: m_0 \to^* m \text{ für eine zulässige Schaltfolge } \tau \in T^* \}.

Gilt m \in \mathcal{R}_\mathcal{P}(m_0), so sagen wir, dass die Markierung m von m_0 aus erreichbar ist. Das allgemeine Erreichbarkeitsproblem ist gleichbedeutend mit der Aufgabe zu entscheiden, ob im gegebenen Petri-Netz ein Zustand m von einem Anfangszustand m_0 aus erreichbar ist.

Das Inklusions- bzw. Gleichheitsproblem ist die PrĂŒfung folgender Relationen fĂŒr zwei Petri-Netze \mathcal{P} und \mathcal{Q}:

  • \mathcal{R}_\mathcal{P}(m_0) \subseteq \mathcal{R}_\mathcal{Q}(m_0) fĂŒr das Inklusionsproblem
  • \mathcal{R}_\mathcal{P}(m_0) = \mathcal{R}_\mathcal{Q}(m_0) fĂŒr das Gleichheitsproblem

Eine solche PrĂŒfung ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn \mathcal{P} und \mathcal{Q} von gleicher Dimension sind, d. h. |S_\mathcal{P}| = |S_\mathcal{Q}|.

Petri-Netze können einerseits sehr anschaulich durch PN-Graphen dargestellt werden – besitzen aber andererseits Ă€quivalente Strukturen von rein algebraischem Charakter, sogenannte Vektor-Additionssysteme und Vektor-Ersetzungssysteme.

Definition 2.3.

Ein Vektor-Ersetzungssystem \mathcal{V} zum Anfangsvektor m_0 \in \mathbb{N}^n ist die Menge:

 \mathcal{V} = \{ v_j = (t'_j, t''_j) \in \mathbb{N}^n \times \mathbb{Z}^n \mid 1 \le j \le l,\ t'_j + t''_j \ge 0 \}.

Die Vektorpaare bestehen jeweils aus dem Testvektor t'_j und dem Ersetzungsvektor t''_j. Die Ersetzungsregel lautet:

 \tilde{m} = m + t''_j.

Die völlige Gleichwertigkeit der Vektor-Ersetzungssysteme und Petri-Netze ist offensichtlich.

Ein Vektor v = (t', t'') genĂŒgt der Relation (VAS) genau dann, wenn die Ă€quivalente Transition t von keiner Stelle kontrolliert wird. Es besteht die Äquivalenz:

 [v_j \text{ erfüllt (VAS) für alle } j] \iff (\text{PN}^*).

Definition 2.4.

Ein Vektor-Additionssystem \mathcal{U} zum Anfangsvektor m_0 \in \mathbb{N}^n ist die Menge:

 \mathcal{U} = \{ v_j \in \mathbb{Z}^n \mid 1 \le j \le l \}.

Jeder Vektor aus \mathcal{U} ist gleichzeitig Test- und Ersetzungsvektor. Eine Ersetzung v_j ist zulÀssig, wenn m + v_j \ge 0 ist. Die Ersetzungsregel lautet: \hat{m} = m + v_j.

Das Vorhandensein einer Mindestzahl von Marken auf bestimmten Stellen als Voraussetzung fĂŒr eventuelles Feuern von Transitionen ist eine Eigenschaft der gewöhnlichen Petri-Netze, die im Allgemeinen nicht invertierbar ist. Eine solche AbhĂ€ngigkeit ist aber in manchen FĂ€llen unentbehrlich – vor allem im Hinblick auf die WPNC-Berechenbarkeit von Funktionen, die das „Testen auf 0“ notwendig machen.

Definition 2.5.

Ein Petri-Netz mit Inhibitor-Kanten \mathcal{P}^i = (S, T, \kappa) ist ein Tupel mit den Komponenten (PN1), (PN2), (PN3), (PN5) und mit einer erweiterten Kantenabbildung:

 (\text{IN4}) \quad \kappa: (S \times T) \cup (T \times S) \to \mathbb{N} \cup \{\iota\}

mit \kappa^{-1}(\{\iota\}) \subseteq (S \times T).

Wir definieren die additiven VerknĂŒpfungen von \iota mit allen anderen Elementen wie folgt:

 \alpha + \iota = \alpha - \iota = \alpha \quad \forall \alpha \in \mathbb{N} \cup \{\iota\}.

Die Schaltregel ist mit der fĂŒr gewöhnliche Petri-Netze scheinbar identisch. Etwas anderes verbirgt sich jedoch hinter dem Begriff „aktivierte Transition“. Diese Bezeichnung trifft auf eine Transition t \in T zu, wenn gilt:

 \forall s \in S: [m(s) - \kappa(s, t) \ge 0] \land [(\kappa(s, t) = \iota) \implies (m(s) = 0)].

Graphisch gesehen sind Überlappungen beider Kantenarten möglich, was aber unsere Definition ausschließt. Möglich dagegen ist eine andere Konstellation. Hier gilt \kappa(t, s) > 0 \land \kappa(s, t) = \iota fĂŒr die Stelle s und Transition t. Wir sprechen von einer selbstblockierenden (auch rĂŒckgekoppelten) Inhibitor-Transition.

Abb. 3

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Einer PrĂ€zisierung bedarf noch der Begriff „kontrollierende Stellen“. Unter einer kontrollierenden Stelle im Petri-Netz mit Inhibitor-Kanten verstehen wir ein s \in S mit \kappa(t, s) > 0 \land [\kappa(s, t) > 0 \lor \kappa(s, t) = \iota] fĂŒr eine Transition t \in T.

Definition 2.6.

Ein Vektor-Ersetzungssystem mit Inhibitor-Vektoren zum Anfangsvektor m_0 \in \mathbb{N}^n ist die Menge:

 \mathcal{V} = \{ v_j = (t_j^t, t_j^s) \in (\mathbb{N} \cup \{\iota\})^n \times \mathbb{Z}^n \mid 1 \le j \le l,\ t_j^t + t_j^s \ge 0 \}.

Es muss gefordert werden:

 (\text{IV}) \quad \forall v \in \mathcal{V}, \, j \in \{1,\dots,n\}: (t_j^t = \iota) \implies (t_j^s = 0).

Definition 2.7.

Ein Vektor-Additionssystem mit Inhibitor-Vektoren zum Anfangsvektor m_0 \in \mathbb{N}^n ist die Menge:

 \mathcal{U} = \{ v_j \in (\mathbb{Z} \cup \{\iota\})^n \mid 1 \le j \le l \}.

In der vorliegenden Arbeit blicken wir nur sporadisch auf Petri-Netze mit mehreren Inhibitor-Kanten. Da bereits zwei Inhibitor-Kanten die Simulation von Turing-Maschinen ermöglichen, können weitere solche Kanten die LeistungsfĂ€higkeit der Petri-Netze ohnehin nicht mehr entscheidend steigern. Außerdem ist das Erreichbarkeitsproblem in diesem Fall als unentscheidbar bekannt. Unsere Aufmerksamkeit gilt daher primĂ€r den Petri-Netzen mit genau einer Inhibitor-Kante, die das bislang offene Erreichbarkeitsproblem aufwerfen.

Beispiel: Abbildung 4

Zum Schluss dieses Kapitels geben wir ein Beispiel fĂŒr ein Petri-Netz mit einer Inhibitor-Kante (vgl. Abb. 4), wobei die ParallelitĂ€ten zum vorangegangenen Beispiel unĂŒbersehbar sein dĂŒrften. Wir sagen, dass beide Petri-Netze einander simulieren. Zwar stimmen deren Dimensionen nicht ĂŒberein. Betrachten wir aber erneut die (zulĂ€ssige) Schaltfolge t_1 t_2 t_3 t_4 (t_1)^2 t_2 t_3, so stellen wir fest, dass die durch diese Schaltfolge erzeugten Schaltpfade identisch sind, bezĂŒglich s_1, s_2, s_3.

Abb. 4

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Die erweiterte Kantenabbildung ist dem Graphen zu entnehmen. Stattdessen wollen wir das zu unserem Petri-Netz Àquivalente Vektor-Ersetzungssystem (mit genau einem Inhibitor-Vektor) vollstÀndig angeben.

Die bereits vorgestellten Konzepte, wie z. B. Erreichbarkeitsmengen und die darauf zurĂŒckgehenden SchlĂŒsselprobleme, sind identisch zu formulieren. Zu beachten ist nur, dass etwas anderes unter aktivierten Transitionen bzw. zulĂ€ssigen Transitionenfolgen zu verstehen ist.

Im vorangegangenen Kapitel haben wir bereits angedeutet, dass Inhibitor-Kanten diese Probleme erheblich erschweren können. Die Tatsache, dass zwei und mehr solche Kanten das Erreichbarkeitsproblem unentscheidbar machen, ist ein Indiz dafĂŒr, dass die Inhibitor-Kanten eine echte, qualitative Verallgemeinerung der gewöhnlichen Petri-Netze darstellen.