„Über Petri-Netze mit inhibitor-Kanten…“ §6


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§6. WPNC-BERECHENBARKEIT, ZÄHLERAUTOMATEN

Im vorangegangenen Paragraphen haben wir die Auswirkungen von Inhibitor-Kanten auf dimensionsbezogene Semilinearitätsgrenzen studiert. Dennoch sind Inhibitor-Kanten ein Mittel, das qualitativ mehr ermöglicht als nur das Basismodell. Das zeigt sich insbesondere bei der Simulation von Berechnungsvorgängen.

Definition 6.1. (Schwacher Petri-Netz-Computer)

Sei \mathcal{P} ein Petri-Netz mit Stellenmenge

 S = \{o\} \cup \{s\} \cup X \cup R

mit X = \{x_1, \dots, x_n\} und R = \{r_1, \dots, r_k\}.

Für alle Transitionen t \in T gelte:

  • \kappa(o, t) = 0
  • \kappa(t, x_j) = 0 für alle x_j \in X
  • \kappa(t, s) \ge \kappa(s, t)

Ein Petri-Netz \mathcal{P} mit fester Initialmarkierung m_1(R) ist ein schwacher Petri-Netz-Computer (kurz: m_1(R)\text{-}WPNC) für eine Funktion f: D \to \mathbb{N} (D \subseteq \mathbb{N}^n), wenn für alle zulässigen Anfangsmarkierungen m_0 mit m_0(R) = m_1(R), m_0(s) = 1, m_0(o) = 0 und m_0(X) \in D gilt:

 \{ m(o) \mid m_0 \to^* m \text{ und } m(x_2) = 0 \} = \{0, 1, \dots, f(m_0(X))\}.

Existiert ein solches WPNC für f, dann heißt f WPNC-berechenbar.

Beispiele

WPNC 1 (Addition)

f(x_1, x_2) = x_1 + x_2

Abbildung WPNC 1 (einfacher Addierer ohne innere Stellen)

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WPNC 2 (Multiplikation)

f(x_1, x_2) = x_1 \cdot x_2 mit fester Initialmarkierung m_1(R) = (1,0,0,0)

Abbildung WPNC 2

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WPNC 3 (Potenzierung)

f(x) = x^a für festes a \in \mathbb{N} (durch Kaskadierung von Multiplizierern)

Abbildung WPNC 3

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WPNC 4 (Exponentialfunktion)

f(x) = 2^x

Realisiert mit dem Petri-Netz aus Abb. 2 / Abb. 4 (Lemma 4.4). Es gilt stets:

 m(s_2) + \frac{m(s_3)}{2} \le 2^x

Das Ergebnis wird aus s_2 und s_3 (mit Halbierung) entnommen.

Abbildung WPNC 4

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WPNC 5 (Subtraktion)

f(x_1, x_2) = x_1 – x_2 (für x_1 \ge x_2)

Abbildung WPNC 5

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WPNC 6 (Modulo-Division)

f(x) = x \mod a für festes a \in \mathbb{N}

Abbildung WPNC 6

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Weitere Ergebnisse zur WPNC-Berechenbarkeit

  • Alle monoton wachsenden Funktionen (inkl. Ackermann-Funktion) sind WPNC-berechenbar.
  • Nicht-monotone Funktionen wie Subtraktion, Division und Modulo sind mit gewöhnlichen Petri-Netzen nicht WPNC-berechenbar.
  • Mit einer Inhibitor-Kante werden Subtraktion und Modulo-Division berechenbar (WPNC 5 und WPNC 6).
  • Die ganzzahlige Division \lfloor x_1 / x_2 \rfloor erfordert wahrscheinlich zwei Inhibitor-Kanten.

Es gilt die Inklusionskette:

 WPNC \subset WPNC^{1I} \subset WPNC^{2I}

Zählerautomaten (Counter Automata)

Definition 6.2.

Ein n-Band Zählerautomat CM^n = (Q, \chi) besteht aus einer endlichen Zustandsmenge Q = \{q_1, \dots, q_m\} und einer Übergangsfunktion

 \chi : (Q \times \mathbb{N}^n) \to (Q \times \mathbb{Z}^n)

mit der Eigenschaft:

 \chi(q, x) = \chi(q, x') \quad \text{falls die Nullstellenmengen von } x \text{ und } x' \text{ übereinstimmen}.

Definition 6.3.

Eine Funktion f \in \mathcal{F} ist CM³-berechenbar, wenn es einen 3-Band-Zählerautomaten gibt, der für jede Eingabe x \in D in endlicher Zeit in einer Konfiguration mit f(x) auf einem der Bänder hält.

Theorem 6.1 (Minsky)

Jede algorithmisch berechenbare Funktion f : \mathbb{N} \to \mathbb{N} ist CM³-berechenbar.

Theorem 6.2 (Barsdin)

Für jede CM²-berechenbare Funktion f existieren Konstanten \phi, \omega \in \mathbb{N}, sodass gilt:

 f(x + m \omega) = f(x) + m \phi \quad \text{für alle } m = 0,1,2,\dots

Korollar 6.3

Es gibt Funktionen aus \mathcal{F}, die mit zweidimensionalen WPNCs (auch mit Inhibitor-Kanten und kontrollierenden Zuständen) nicht berechenbar sind.

Zusammenfassung

  • WPNCs können viele wichtige Funktionen berechnen, scheitern aber bei nicht-monotonen Funktionen ohne Inhibitor-Kanten.
  • Eine Inhibitor-Kante erweitert die Klasse deutlich (Subtraktion, Modulo).
  • Zählerautomaten sind äquivalent zu single-path Petri-Netzen mit Inhibitor-Kanten und kontrollierenden Zuständen.
  • Die Minsky-Barsdin-Theoreme geben untere Schranken für die Kompaktheit von Berechnungsmodellen.

Die Frage nach der minimalen Dimension und der minimalen Anzahl von Inhibitor-Kanten für die Berechnung beliebiger Funktionen aus \mathcal{F} bleibt für das nächste Kapitel offen.