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§3. SIMULATION VON VARIANTEN DES GRUNDMODELLS
Eine weitere Variante der (nicht notwendigerweise gewöhnlichen) Petri-Netze wird unsere Betrachtungen in diesem Paragraphen wesentlich erleichtern. Es handelt sich um Petri-Netze mit kontrollierenden Zuständen.1
Definition 3.1.
Ein Petri-Netz mit (endlich vielen) kontrollierenden Zuständen ist ein Tupel 𝒫1,0 = (S, T, Q, κ) mit folgenden Komponenten und Eigenschaften:
- (QN1)
ist eine endliche Menge von Stellen; - (QN2)
ist eine endliche Menge von Transitionen; - (QN3)
ist eine endliche Menge von kontrollierenden Zuständen; - (QN4)
; - (QN5)
ist die erweiterte Kantenabbildung; - (QN6)
und
sind zwei Zustandsabbildungen, die allen Transitionen einen Anfangs- und Endzustand zuordnen.
Gilt
, dann sprechen wir von einem gewöhnlichen Petri-Netz mit kontrollierenden Zuständen. Die Markierung beinhaltet neben der üblichen Stellenmarkierung stets den augenblicklich vorliegenden kontrollierenden Zustand. Wir sprechen von einer Multimarkierung:
![]()
mit
und
für alle
.
Eine Transition
ist nur dann aktiviert, wenn ihr Anfangszustand
mit dem kontrollierenden Zustand
übereinstimmt:
![]()
Schaltregel für Petri-Netze mit kontrollierenden Zuständen
Feuert eine aktivierte Transition
im Zustand
und ist der Zustand nach dem Schaltvorgang
(formal:
), dann gilt:
![]()
![]()
1 Kontrollierende Zustände wurden in [10] im Zusammenhang mit gewöhnlichen Vektor-Additionssystemen eingeführt. Unsere Definition verallgemeinert dieses Konzept ein wenig.
Beispiel: Abbildung 5
Die Abb. 5 zeigt ein gewöhnliches Petri-Netz mit zwei kontrollierenden Zuständen
(der augenblicklich vorliegende kontrollierende Zustand ist durch die doppelt eingekreiste Stelle
markiert) und drei Stellen. Die Transition
ist eine reine Zustandsüberführungstransition.
Abb. 5
→ Hier Bild aus dem PDF einfügen
Die Schaltfolge
erzeugt denselben projizierten Schaltpfad wie in den vorherigen Beispielen.
Definition 3.2. (Projektion)
Unter einer Projektion der Erreichbarkeitsmenge
eines Petri-Netzes
auf ein Gitter
(mit
und
) verstehen wir die Menge:
![]()
oder analog ohne den Zustand
.
Lemma 3.1.
Jedes Petri-Netz
kann simuliert werden durch ein gleichdimensionales Petri-Netz
mit zusätzlichen kontrollierenden Zuständen, sodass
erfüllt ist. Es gilt:
![]()
Lemma 3.2.
Jedes Petri-Netz
mit kontrollierenden Zuständen kann simuliert werden durch ein Petri-Netz
(ohne kontrollierende Zustände) mit Hilfe von zwei zusätzlichen Stellen
, wobei diese kontrollierend sind für alle
.
![]()
Lemma 3.3.
Jedes Petri-Netz
mit kontrollierenden Zuständen kann simuliert werden durch ein Petri-Netz
(ohne kontrollierende Zustände) mit Hilfe von drei zusätzlichen Stellen
, sodass
erfüllt ist.
Korollar 3.4. & 3.5.
Jedes Petri-Netz
(bzw.
) kann durch ein Petri-Netz
mit drei zusätzlichen Stellen simuliert werden, sodass
erfüllt ist.
Korollar 3.6.
Das allgemeine Erreichbarkeitsproblem ist für gewöhnliche Petri-Netze mit kontrollierenden Zuständen unabhängig von
entscheidbar.
Korollar 3.7.
Sei
mit
für ein
und alle
. Dann kann
im Sinne der Projektion auf
durch ein Petri-Netz der Dimension
(bzw. +3 bei
) simuliert werden.
Abbildungen
Abb. 6 und Abb. 7 zeigen Beispiele für die Simulation kontrollierender Zustände (mit und ohne Inhibitor-Kante).
→ Hier die entsprechenden Bilder aus dem PDF einfügen
Aus unseren Überlegungen folgt, dass kontrollierende Zustände sowie kontrollierende Stellen nichts an dimensionsunabhängigen Aussagen über Petri-Netze ändern. Insbesondere gilt Korollar 3.6.
