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§4. SEMILINEARE ERREICHBARKEITSMENGEN
Zu den zentralen Motiven dieser Arbeit gehört die Charakterisierung der Petri-Netz-Erreichbarkeitsmengen unter dem Blickwinkel der Semilinearität. Semilineare Erreichbarkeitsmengen sind von verhältnismäßig einfacher Struktur und machen die ansonsten unentscheidbaren Probleme entscheidbar.
Das Konzept der Semilinearität geht im Wesentlichen auf die sogenannte Presburger-Arithmetik zurück [22].
Definition 4.1. (Lineare Menge)
Unter einer linearen Menge zur Basis
mit der Periodenmenge
verstehen wir die Menge:
![]()
Wir sprechen von einer linearen Menge zu einer Basismenge
mit Periodenmenge
, wenn:
![]()
Definition 4.2. (Semilineare Menge)
Jede endliche Vereinigung von linearen Mengen nennen wir eine semilineare Menge. Mit
bezeichnen wir das System aller semilinearen Teilmengen von
.
Lemma 4.1.
Sei
ein eindimensionales Teilgitter aus
. Für jede Folge
mit
und
gilt:
![]()
Lemma 4.2.
Für alle
und alle endlichen Periodenmengen
existiert ein gewöhnliches Vektor-Additionssystem
mit der Eigenschaft:
![]()
Lemma 4.3.
Semilinearität ist (unter geeigneten Voraussetzungen) invariant unter semilinearen Anfangsmengen:
![]()
Lemma 4.4.
Die Erreichbarkeitsmengen der (mindestens) vierdimensionalen Vektor-Ersetzungssysteme mit genau einer Inhibitor-Kante sind im Allgemeinen **nicht-semilinear** (auch bei einelementigen, semilinearen Anfangsmengen).
Beweis-Skizze (Beispiel Abb. 8): Mit der Startmarkierung
und den Bedingungen

zusammen mit
entsteht eine nicht-semilineare Menge. Durch vollständige Induktion wird gezeigt, dass genau die Punkte erreichbar sind, die diese Bedingungen erfüllen.
Abb. 8
→ Hier Bild aus dem PDF einfügen
Korollar 4.5.
Die Erreichbarkeitsmengen der folgenden Gebilde sind unter einelementigen Anfangsmengen im Allgemeinen **nicht-semilinear**:
- Gewöhnliche Vektor-Additionssysteme der Dimension

- Gewöhnliche Vektor-Ersetzungssysteme der Dimension

- Gewöhnliche Vektor-Additionssysteme und Vektor-Ersetzungssysteme mit kontrollierenden Zuständen der Dimension

- Vektor-Ersetzungssysteme mit genau einem Inhibitor-Vektor der Dimension

Lemma 4.6.
Sei
ein gewöhnliches Petri-Netz mit
der Dimension
. Für alle Komponentenpaare
existiert eine effektiv berechenbare Konstante
mit
, sodass die Erreichbarkeitsmengen von
**strikt innerhalb** von
durch semilineare Teilmengen eingehüllt werden können.
Zusammenfassung der Erkenntnisse
Nicht-semilineare Erreichbarkeitsmengen treten bereits bei relativ kleinen Dimensionen auf. Andererseits „neigen“ viele Petri-Netze (insbesondere mit
) in „hohen“ Regionen stark zur Semilinearität. Lemma 4.6 macht diese Beobachtung präzise.
Die Simulation kontrollierender Zustände (siehe §3) sowie die Ergebnisse dieses Kapitels legen nahe, dass nicht-semilineare Mengen vor allem dann entstehen, wenn genügend viele Transitionen durch kontrollierende Zustände oder beschränkte Stellen am Feuern gehindert werden können.
